Das Haus des Buches in Leipzig wurde im März 1996 eröffnet und den Bürgern der Stadt Leipzig übergeben. Es befindet sich im ehemaligen Graphischen Viertel auf historischem Grund: hier stand bis zur Bombennacht vom 4. Dezember 1943 das 1888 im Neorenaissancestil errichtete Buchhändlerhaus, Sitz der Buchhändlerbörse, die 1825 als einer der ältesten deutschen Wirtschaftsverbände in Leipzig gegründet wurde. Auch Geschäftsstelle und Druckerei des Börsenvereins, Redaktion und Expedition des Börsenblattes für den Deutschen Buchhandel sowie die Buchhändlerabrechnungsgesellschaft BAG waren hier untergebracht. Mit der Zerstörung dieses Hauses verlor die Messestadt nicht nur eines ihrer prächtigsten Monumentalbauwerke – begraben wurde eine Epoche, in der Leipzig noch ganz selbstverständlich als »Mittelpunkt des deutschen Buchhandels« galt.
Die Wende kam mit dem politischen Umbruch: 1990 erinnerte man sich im Zuge der Fusionsverhandlungen der Börsenvereine in Leipzig und Frankfurt am Main alter Leipziger Traditionen. 1993 gab der symbolische erste Spatenstich das Signal für ein ehrgeiziges Projekt, mit dem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sich zum »Leipziger Platz« bekannte und gemeinsam mit dem 1990 gegründeten Kuratorium Haus des Buches e.V. einen Ort schuf, an dem Bücherfreunde und Büchermacher einander begegnen können.
Das Kuratorium Haus des Buches e.V. unterstützt seit Eröffnung des Hauses nicht nur die hier ansässigen 15 Vereine; seine Geschäftsstelle leitet und koordiniert auch die Veranstaltungs- und Ausstellungstätigkeit, führt Lesungen durch und betreibt die Vermietung des Tagungszentrums im Gebäude.
Im September 2005 wurde das Literaturhaus Leipzig aus der Taufe gehoben. Vom Kuratorium Haus des Buches e.V. als Trägerverein gefördert, ist die Einrichtung dem Verbund der Literaturhäuser – literaturhaus.net – beigetreten. Das Literaturhaus Leipzig ist dessen erstes Mitglied aus den neuen Bundesländern. Neben Lesungen finden nun in Zusammenarbeit mit dem Medienpartner ARTE regelmäßig Previews und Themenabende statt; Vorträge, Symposien, Lesungen für Schulklassen, Ausstellungen und literarische Projekte, die in Kooperation mit dem oben genannten Verbund organisiert werden, bereichern das Angebot.
Für sein Konzept und die gelungene Architektur wurde das Haus des Buches bereits mehrfach ausgezeichnet. Deutschlandweit einmalig ist die Verbindung von Kunst, Kultur und Kommerz unter einem Dach: Hausherr ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V., der hier sein Leipziger Büro unterhält. Weitere Mieter sind die Verlage Seemann Henschel GmbH & Co. KG, der BuchVerlag für die Frau, außerdem der Literaturservice Leipzig LSL, die Buchhändlerabrechnungsgesellschaft BAG, IBM, sowie Anwaltskanzleien, Steuerberatungsbüros und weitere.
Auch für die Durchführung internationaler Fachkonferenzen, Tagungen und Seminare verschiedener Einrichtungen des Buch- und Verlagswesens ist das Haus des Buches zu einem beliebten Ort geworden, ebenso nutzen Leipziger und auswärtige Firmen die günstige Verbindung von modernen Tagungsräumen und der guten Küche des Literaturcafés im Haus des Buches.
Das breit gefächerte und anspruchsvolle Programmangebot soll zur Literatur (ver)führen. Tipps zu den Veranstaltungen im Haus des Buches werden in allen Veranstaltungskalendern der Stadt veröffentlicht. Das monatlich vom Kuratorium herausgegebene Veranstaltungsprogramm liegt an allen Kulturstätten Leipzigs aus. Empfehlenswert ist es jedoch auch, den direkten Weg ins Haus zu wählen, wo bei dieser Gelegenheit die wechselnden Ausstellungen im Foyer sowie das Literaturcafé besucht werden können.
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Foto: Gaby Waldek ]
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