Wilhelm Ostwald als religiöser Dissident? Vortrag von Sabine Tanz
Leben und Schaffen des großen Universalgelehrten Wilhelm Ostwald (1853-1932), dem 1909 der Nobelpreis für Chemie verliehen wurde, rufen bis in die Gegenwart Kontroversen hervor. Der Vortrag widmet sich sowohl Aspekten des wissenschaftlichen, literarischen und künstlerischen Schaffens Ostwalds als auch der Legendenbildung um seine Person.
Sabine Tanz lehrt am Historischen Seminar der Universität Leipzig.
Eintritt 3,-/ 2,- EUR. Veranstaltung des Arbeitskreises für Vergleichende Mythologie e.V.
Stephan Thome liest aus »Grenzgang« (Suhrkamp Verlag 2009). Moderation: Michael Hametner
Alle sieben Jahre steht die Kleinstadt kopf: Man feiert Grenzgang, das traditionelle dreitägige Volksfest, und dabei werden nicht nur die Gemeindegrenzen abgeschritten. Auch abends im Festzelt wird ausprobiert, wie weit man gehen kann. Alle sind dabei, nur zwei stehen am Rand: Thomas Weidmann und Kerstin Werner. Er ist nach gescheiterter Uni-Karriere als Lehrer an das hiesige Gymnasium zurückgekehrt. Sie versorgt nach gescheiterter Ehe ihre demenzkranke Mutter und hat Ärger mit ihrem pubertierenden Sohn. Beim letzten Grenzgang vor sieben Jahren sind sich die beiden schon einmal begegnet, und damals ist etwas passiert, woran sie sich nur mit gemischten Gefühlen erinnern. »Grenzgang« ist das furiose Debüt eines jungen Autors, der von Anfang an aufs Ganze geht: Spannungsreich und voller überraschender Wendungen erzählt Stephan Thome von der Jagd nach dem Glück. Und schnell wird dabei klar, wie leicht vermeintliche Sicherheiten abhanden kommen können und wie dünn das Eis ist, auf dem Lebensentwürfe gründen. - »Wann hat man zuletzt einen Erstling gelesen, der künstlerisch so souverän, der menschlich so reif wirkt wie der Roman dieses 37-jährigen Außenseiters, der als promovierter Sinologe in Taipeh lebt und den noch kein Mensch kennt? ... Ein großer Meister seelischer Zwischentöne« (Die Welt).
Stephan Thome wurde 1972 in Biedenkopf/Hessen geboren. Er studierte Philosophie, Religionswissenschaft und Sinologie in Berlin und China, in Taiwan und Japan. Seit 2005 arbeitet er in Taiwan. Für sein Debüt »Grenzgang« wurde er mit dem Aspekte Literaturpreis 2009 ausgezeichnet und für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert.
Veranstaltung des Literaturhauses Leipzig und des Suhrkamp Verlages

Wie lebt es sich als Schriftsteller in der Buchstadt Leipzig, und vor allem: wie schreibt es sich dort? Das Netzwerk Junge Verlagsmenschen, das monatlich zusammentrifft, um sich auszutauschen zu Aspekten und Akteuren der Leipziger Buch- und Verlagsbranche, stellt sich zu seinem einjährigen Bestehen offiziell vor. Diesmal werden nicht Fragen der Planung, Herstellung und Verbreitung von Literatur diskutiert, sondern die Bedingungen ihrer Entstehung. Junge Leipziger Autorinnen und Autoren lesen aus neuen Texten und sprechen über ihre Arbeit. Mit Katharina Bendixen, Heike Geißler, André Hille und Madeleine Prahs
Veranstaltung des Netzwerks Junge Verlagsmenschen e.V.
Dariusz Muszer liest aus »Gottes Homepage«. Moderation: Manfred Orlowski
Gospodin Gepin und seine Frau Freyja leben glücklich im Zeitalter des Regenbogens. Als Gepin im Alter von 128 Jahren beschließt, seine Erinnerungen schriftlich festzuhalten, gerät die vermeintliche Idylle aus den Fugen. Von heute auf morgen wird er in eine »Erzählerwohnung« in Südnorwegen versetzt, wo er für die zentrale Kulturbehörde seine Memoiren in der ausgestorbenen Sprache Deutsch verfassen soll. »Gottes Homepage«, Dariusz Muszers bizarr-komischer Roman über Liebe, Lüge und Manipulation im Informationszeitalter erschien 2007 in A1 Verlag.
Dariusz Muszer, geboren 1959 in Górzyca, lebt seit 1988 in Hannover. Er studierte Jura in Poznań und arbeitet unter anderem als Übersetzer. Seine Bücher schreibt er in deutsch und polnisch.
Veranstaltung des Freundeskreises Science Fiction Leipzig e.V.
»LEIPZIG LIEST« IM HAUS DES BUCHES
Boualem Sansal liest aus »Das Dorf des Deutschen« (Merlin Verlag 2009). Moderation: Tilman Krause. Lesung des deutschen Textes: Guido Lambrecht
»Das Dorf des Deutschen« erzählt eine deutsch-algerisch-französische Familiengeschichte zwischen kulturellen Konflikten in der Pariser Banlieu, islamistischem Terror im algerischen Bürgerkrieg und einer erschütternden NS-Vergangenheit. Boualem Sansal setzt in seinem Roman brisante historische Bezüge und zeigt, dass die Geschichte Algeriens auch ein schmerzhafter Teil deutscher Geschichte ist. Geboren 1948, gehört Sansal zu den wenigen Intellektuellen Algeriens, die in ihrer Heimat leben und dort offen und vehement Kritik an den Verhältnissen äußern. 2003 wurde er aufgrund seiner kritischen Haltung aus dem Staatsdienst entlassen. Seine Bücher dürfen in Algerien nicht mehr verkauft werden.
Veranstaltung des Literaturhauses Leipzig und des Merlin Verlages
»LEIPZIG LIEST« IM HAUS DES BUCHES
Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2010
Der Preisträger György Dalos im Gespräch mit Joachim Gauck und Lerke von Saalfeld
Der 1943 in Budapest geborene Historiker und Publizist György Dalos wird für sein Werk »Der Vorhang geht auf. Das Ende der Diktaturen in Osteuropa« (C.H. Beck 2009) ausgezeichnet. Er erzählt darin, wie der Prozess der Loslösung in Osteuropa in Gang kam und welche Widerstände zu überwinden waren, ehe aus dem Ostblock hinter dem Eisernen Vorhang ein östliches Europa werden konnte.
Veranstaltung der Stadt Leipzig, des Literaturhauses Leipzig und des C.H. Beck Verlages
»LEIPZIG LIEST« IM HAUS DES BUCHES
Adolph Freiherr Knigge (1752-1796) ist vor allem als Autor des Werkes »Über den Umgang mit Menschen« bekannt, das immer wieder als Benimm-Fibel missverstanden wird. Neben dieser berühmten praktischen Gesellschaftslehre verfasste er aber auch von Christoph Martin Wieland und Laurence Sterne inspirierte Romane und publizierte zahlreiche Aufsätze und satirische Schriften, die ihn als einen der bedeutendsten Schriftsteller der Aufklärungsepoche ausweisen. Die sorgfältig kommentierte Werkausgabe Adolph Freiherr Knigges ist die zweite Publikation in einer gemeinsam von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Wüstenrot Stiftung gegründeten Editionsreihe, die im Wallstein Verlag erscheint. Diese Reihe widmet sich bedeutenden literarischen Werken des 18. und 19. Jahrhunderts, die angesichts fortschreitender Konzentrations- und Kommerzialisierungsprozesse im Verlagswesen und einem wachsenden Rentabilitätsdruck bei der Programmplanung aus dem kulturellen Gedächtnis zu fallen drohen.
Sibylle Lewitscharoff, ausgezeichnet mit dem Leipziger Buchpreis 2009 für ihren Roman »Apostoloff« und Patin der Werkausgabe stellt in einem einleitenden Essay Leben und Werk des gewitzten und witzigen Aufklärers Adolf Freiherr Knigge, dieses »tiefen Kenners der Menschen und Bestien« (Heinrich Heine), vor. Dieter Mann, bekannt aus zahllosen Theaterproduktionen, Film und Fernsehen, liest ausgewählte Texte Knigges.
Veranstaltung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Wüstenrot Stiftung, des Wallstein Verlages und des Literaturhauses Leipzig

»LEIPZIG LIEST« IM HAUS DES BUCHES
Martin Walser liest aus »Leben und Schreiben. Tagebücher 1974-1978« (Rowohlt Verlag 2010). Moderation: Jörg Magenau
Sie stehen im Regal, eines neben dem anderen, immer griffbereit, aufgeklebte Zettel auf dem Rücken mit den Nummern 1 bis 46 darauf: Die Tagebücher von Martin Walser, die er seit 1949 schreibt, denn: »Schreibend erträgt man alles eher«. Nach seinen bereits veröffentlichten Aufzeichnungen der 50er-, 60er- und frühen 70er-Jahre erscheinen nun Martin Walsers Tagebücher der Jahre 1974 bis 1978 und sind beides: Selbstzeugnis und zeithistorisches Dokument. Sie gewähren tiefen Einblick in das Spannungsverhältnis von Literatur und Kritik, von Autor und Kritiker. Der Tagebuchschreiber offenbart sich als Beobachter der eigenen Verletzbarkeit, aber auch als Zeitgenosse, in dessen Betrachtungen innere und äußere Welt sich spiegeln und verschränken. Als »eine Fundgrube brillanter Etüden, Miniaturen, Aphorismen« werden die Tagebücher in der F.A.Z. beschrieben, ebenjener Zeitung, die den Autor 1976 mit einer verheerenden Kritik zum Roman »Jenseits der Liebe« niederwarf.
Martin Walser, 1927 in Wasserburg am Bodensee geboren, studierte in Tübingen Literatur, Geschichte und Philosophie und promovierte mit einer Arbeit über Franz Kafka. Von 1949 bis 1957 arbeitete er als Reporter beim Süddeutschen Rundfunk. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 1981 den Georg-Büchner-Preis und 1998 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
Der Journalist und Autor Jörg Magenau veröffentlichte 2005 eine Biographie über Martin Walser.
Eintritt: 6,-/5,- Euro. Vorverkauf und Reservierung (begrenzt) ab 8.3.2010 im Haus des Buches an der Rezeption, Mo-Fr, 9.00-15.00 Uhr; telefonische Reservierung unter Tel.: 0341/9954 134. Veranstaltung des Literaturhauses Leipzig und des Rowohlt Verlages

ÜBERSETZER STELLEN VOR IM RAHMEN VON »LEIPZIG LIEST«
Ildar Abusjarow liest aus »Dschingis-Roman«. Moderation, Lesung und Übersetzung: Hannelore Umbreit
In der multiethnischen russischen Gegenwartsliteratur nimmt Ildar Abusjarow einen besonderen Platz ein. Eine Konstante in seinem vielschichtigen Erzählwerk bildet das Thema des Andersseins, bedingt durch Abusjarows Leben als muslimischer Tatare in Russland. 1975 in Gorki geboren, war er nach dem Studium der Geschichte und Islamkunde journalistisch tätig, heute lebt er als freier Autor in Moskau. Die russische Literaturkritik rühmt seine suggestive Schreibmanier mit ihren reichen Assoziationen und historischen Bezügen sowie ihrem beinahe orientalisch anmutenden metaphorischen Glanz.
Veranstaltung des Sächsischen Vereins zur Förderung literarischer Übersetzung Die Fähre e.V.
»LEIPZIG LIEST« IM HAUS DES BUCHES
Tahar Ben Jelloun liest aus »Zurückkehren« (Berlin Verlag 2010). Moderation: Christiane Kayser
Mohamed ist Muslim, Familienvater und Marokkaner - in dieser Reihenfolge. Sein Leben lang hat er bei Renault in Paris am Fließband gestanden; die Arbeit war sein Leben. Seine Söhne aber sind ihm entfremdet, er hat sie an Frankreich verloren: Einer hat eine Christin geheiratet und der andere, Rachid, nennt sich nun Richard. Als Mohameds Pensionierung naht, hat er nur noch einen
Traum: in seiner Heimat Marokko ein Haus zu bauen, in dem er die Familie wieder zusammenführen kann. - »Ein ergreifender Roman mit Beckettschen Zügen.« (Le Magazine Littéraire)
Tahar Ben Jelloun, 1944 in Fès, Marokko, geboren, lebt seit 1971 in Frankreich. 1987 wurde er als erster nordafrikanischer Schriftsteller mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.
Veranstaltung des Berlin Verlages und des Literaturhauses Leipzig
»LEIPZIG LIEST« IM HAUS DES BUCHES
Kleine Sprachen - große Literaturen. Lesung und Gespräch mit Immanuel Mifsud (Malta), Ana Maria Sadu (Rumänien) und Eilis Ní Dhuibhne (Irland). Moderation: Jörg Plath
Das Forum »Kleine Sprachen - große Literaturen« zeigt zur Leipziger Buchmesse wieder ein Europa weitab von bekannten Stereotypen. Es eröffnet überraschende Einblicke in kleine große literarische Landschaften und stellt Autorinnen und Autoren der »kleinen« Sprachen vor, die im globalen Literaturbetrieb leicht übersehen werden.
Immanuel Mifsud, 1967 in Malta geboren, hat Kurzgeschichten, Gedichtbände und Geschichten für Kinder veröffentlicht und Theaterstücke, u.a. von Tschechow, García Lorca, und Max Frisch inszeniert. Er unterrichtet am University College Malta moderne maltesische Literatur. Für seine Sammlung mit Kurzgeschichten aus dem Jahr 2002 unter dem Titel »Sara Sue Sammuts Strange Stories« gewann er den Nationalpreis für Literatur und wurde für den »Premio Strega Europa« nominiert.
Ana Maria Sandu, geboren 1974 in Tîrgu-Jiu (Rumänien), lebt heute als Schriftstellerin und freie Journalistin in Bukarest. 2003 erschien ihr Gedichtband »Din amintirile unui Chelbasan« (»Aus den Erinnerungen eines Chelbasan«), der für den Debütpreis der Zeitschrift »Rom nia Literară« erhielt. 2006 erschien ihr erster Roman »Fata din casa vagon« (»Das Mädchen aus dem Schattenhaus«). Im Sommer 2009 war Ana Maria Sandu Stipendiatin des Rumänischen Kulturinstituts in Berlin.
Éilís Ni Dhuibhne wurde 1954 in Dublin geboren. Sie studierte Folklore an der Universität von Kopenhagen und wurde 1982 in Irischer Folklore promoviert. Éilís Ni Dhuibhne hat mehrere Sammlungen von Kurzgeschichten, Romane, Kinderbücher sowie Stücke und Drehbücher für Bühne und Radio geschrieben. Für ihre Werke wurde sie unter anderem mit dem Stewart Parker-Preis und dem Butler-Preis der American Association of Irish Studies ausgezeichnet. Ihr Roman »The Dancers Dancing« war 2000 für den Orange-Literaturpreis nominiert.
Veranstaltung des Forums kleine Sprachen - große Literaturen, der Botschaft von Malta/Malta Council for Culture and the Arts, des Rumänisches Kulturinstitutes »Titu Maiorescu« und der Irischen Botschaft

Die Veranstaltung muss wegen Krankheit des Autors leider ausfallen.
»LEIPZIG LIEST« IM HAUS DES BUCHES
Sabine Knopf, Autorin der Bände »Der Leipziger Gutenbergweg. Geschichte und Topographie einer Buchstadt« und »Die Buchstadt Leipzig - Mythos und Symbole«, führt durch das Graphische Viertel, in dem so renommierte Verlage wie Reclam oder Brockhaus einst ihren Firmensitz hatten.
Veranstaltung des Sax-Verlages
Sabine Knopf liest aus »Katharina Kippenberg - Herrin der Insel«.
Katharina Kippenberg (1876-1947) bestimmte über Jahrzehnte gemeinsam mit Anton Kippenberg das Programm des Insel Verlages und machte ihr Gohliser Haus zu einem Zentrum des geistigen Austauschs. Das Leben dieser hochbegabten Frau, deren Stationen Hamburg, Leipzig, Weimar, Walbeck und Marburg waren, ist ohne das ihres Lebensgefährten nicht vorstellbar, beider Zusammenarbeit war legendär, der Verlag besaß Weltruf. Als eine bedeutende Mäzenin moderner Literatur pflegte sie mit vielen ihrer Autoren, vor allem mit Rilke, freundschaftliche Beziehungen. Hugo von Hofmannsthal, Stefan Zweig, Theodor Däubler, Ricarda Huch, Johannes R. Becher, T.H. Lawrence, Virginia Woolf, Aldous Huxley - die Liste der mit Katharina befreundeten und von ihr geförderten Schriftsteller ist eindrucksvoll. Im Verlag und unter den Autoren galt sie als »Katharina die Große« und als »Herrin der Insel«. Von ihrem Wirken als Verlegerin und Lektorin, aber auch als Autorin und Herausgeberin, als Freundin, Gastgeberin, Mutter und Ehefrau berichtet Sabine Knopf in ihrer Publikation. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Leipziger Verlags- und Kulturgeschichte
Veranstaltung des Leipziger Bibliophilen-Abends e.V. und des Sax-Verlages
