»Buch und Lesen in der DDR« (Ch. Links 2011)

Der Buchautor Dietrich Löffler im Gespräch mit dem Verleger Christoph Links

Die Literaturverhältnisse in der DDR - zwischen breiter Literaturförderung und rigoroser Zensur - werden hier erstmals in ihrer Gesamtheit untersucht. Ausgehend von der zentralstaatlichen Leitung des Buchwesens und seiner ideologischen Steuerung wird ein Überblick über die beteiligten Institutionen vom Ministerium für Kultur über die Verlage und den Buchhandel bis hin zum Bibliothekswesen gegeben. Der Autor analysiert das Kauf- und Lektüreverhalten der Leser sowie die Stellung der Literatur in der Öffentlichkeit. Dietrich Löffler beschreibt zugleich, wie der sozialistische Realismus als grundlegende Norm eingeführt wird, wie eine breite Literaturförderung eingerichtet und abweichende Darstellungen durch eine rigorose Zensur unterbunden wurden. Seine literatursoziologische Analyse ist verständlich angelegt und liefert einen erhellenden Rückblick auf vier Jahrzehnte Kulturpolitik der DDR.

Dietrich Löffler, studierte Germanistik und Philosophie in Leipzig. 1977 bis 1993 war er Dozent und ab 1984 Professor für Literaturtheorie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er lehrte zudem an den Universitäten Szeged und Kraków. Löffler arbeitete für die Stiftung Lesen, Mainz. »Buch und Lesen in der DDR« ist eine seiner zahlreichen Veröffentlichungen zur Literatursoziologie und zur Leserforschung.

Christoph Links, 1954 in Caputh/Potsdam geboren, studierte Philosophie und Lateinamerikanistik in Berlin und Leipzig. Er arbeitete als Redakteur, Sachbuchautor und Literaturrezensent. Christoph Links war Assistent der Geschäftsleitung im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, bis er 1989 den Ch. Links Verlag mit dem Schwerpunkt Politik und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts gründete.

Veranstaltung des Leipziger Bibliophilen-Abends e.V.

ARABISCHER FRÜHLING

Ghada Abdelaal liest aus »Ich will heiraten!« (Lenos Verlag 2010).

Moderation: Daniel Kinitz
Dolmetschen: Walid Abd el Gawad
Lesung des deutschen Textes: Hanna Werth

Schon der Titel des Buches, die Worte »Ich will heiraten!« aus dem Munde einer jungen Ägypterin, ist eine Provokation. Während junge Männer diesen Satz gern gebrauchen, geziemt sich dies im mehrheitlich konservativen Land am Nil für eine »anständige« Frau nicht. Da es zudem als unschicklich gilt, Männer unverbindlich kennen zu lernen, bleibt nur der übliche Weg der Eheanbahnung, die »Salonheirat« im Hause der Braut. Ghada Abdelaal stellt diese Heirat in den Mittelpunkt ihres Buches. Bride, eine ledige junge Frau, beschreibt die teils komischen, teils grotesken Situationen, in denen sich zehn Männer bei ihrer Familie als Heiratskandidaten empfehlen. Da gibt sich einer als Arzt aus, obwohl er noch nicht mal ein Studium abgeschlossen hat; ein anderer lebt ganz nach der Scharia, dem islamischen Recht, und möchte sie als Drittfrau ehelichen; ein weiterer schließlich beauftragt die Sittenpolizei, Erkundigungen über Bride und ihre Familie einzuholen. Die Absurdität der Begegnungen, die Schwächen der potentiellen Bräutigame und das lächerliche Verhalten der Bräute in spe machen das Buch zu einem Lesevergnügen der besonderen Art. »Ein komisches und rührendes Buch, in dem man lachend manches über die ägyptische Gesellschaft erfährt«, schrieb der »Tages-Anzeiger«.

Ghada Abdelaal, geboren 1978 in Mahalla (Ägypten), studierte Pharmakologie.Sie arbeitet in einer Spitalapotheke in ihrem Geburtsort. Seit 2006 betreibt sie den vielbeachteten Blog »Wanna b a bride«. Die Übersetzung des Buches ins Deutsche besorgte Kristina Bergmann.

Eintritt: 3,-/2,- EUR. Veranstaltung des Literaturhauses Leipzig und des eurient e.V., gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und die Dr.-Ing. h.c. F. Porsche AG
»Ich werde etwas mit der Sprache machen«

Lesung, Gespräch und Performance mit Nora Gomringer, Martina Hefter, Kerstin Preiwuß und Gregor Sander
Moderation: Thorsten Ahrend (Wallstein Verlag)

Zwei Autoren aus dem Süddeutschen treffen auf zwei Autoren aus dem Norddeutschen - was ergibt das? Einen Längsschnitt durch die deutsche Gegenwartsliteratur? Vielleicht. Die Lyrikerinnen Nora Gomringer, Martina Hefter und Kerstin Preiwuß verbindet ihr Hang zur Performance, zum künstlerischen Vortrag, der ihren an sich schon kunstvollen Texten zusätzlich Rückenwind verleiht. Ebenso kunstvoll ist die Prosa von Gregor Sander, dessen Erzählungen so lakonisch wie präzise von Menschen berichten, die unterwegs und zugleich in ihren Schicksalen gefangen sind. Alles in allem ein Abend, in dessen Mittelpunkt stehen soll, woraus gute Literatur gemacht ist: die Sprache.

Nora Gomringer, geboren 1980, aufgewachsen in Franken, lebte u.a. in den USA, wo sie enge Kontakte zur Performance-Poesie-Szene pflegte, und war Gast zahlreicher Poesiefestivals im In- und Ausland. Seit 2010 leitet sie das Bamberger Künstlerhaus Villa Concordia. Ihre Bücher erscheinen bei Voland & Quist.
Martina Hefter, geboren 1965 in Pfronten/Allgäu, lebt in Leipzig. Sie studierte und lehrte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Neben ihrer literarischen Arbeit beschäftigt sie sich mit performativen Projekten an der Schnittstelle von Text und Bewegung. Ihr Gedichtband »Nach den Diskotheken« erschien 2010 bei kookbooks.
Kerstin Preiwuß wurde 1980 in Lübz geboren. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Psychologie in Leipzig und Aix-en-Provence. Im März erscheint ihr zweiter Gedichtband »Rede« im Suhrkamp Verlag.
Gregor Sander, geboren 1968 in Schwerin, studierte Medizin und Germanistik. Nach dem Besuch der Berliner Journalistenschule lebt er als freier Autor in Berlin. Er veröffentlicht im Wallstein Verlag.

Eintritt: 4,-/3,- EUR. Veranstaltung des Literaturhauses Leipzig und der Literaturzeitschrift EDIT

Wasserperlvorhänge«

Künstlerinnengespräch mit Ricarda Hoop

In ihrer Arbeit beobachtet und reflektiert Ricarda Hoop mittels Malerei/Zeichnung Orte, an denen die Menschen abwesend sind. Dabei interessiert sie sich für die hinterlassenen Spuren, die kaum sichtbar sind. So beleuchtet sie mannigfaltige Aspekte und Eindrücke und stellt diese in einer Gruppe unterschiedlicher Bilder mit verschiedenen Formaten, Maloberflächen und Malstilen nebeneinander.

Veranstaltung der GEDOK, Gruppe Leipzig/Sachsen e.V.

Jens Sparschuh liest aus »Im Kasten« (Kiepenheuer & Witsch 2012).
Moderation: Ulf Heise

Hannes Felix ist seine Frau los: Monika kann sein sprödes Verhalten nicht mehr ertragen und packt ihren Koffer - leider völlig falsch. Sein Versuch, Ordnung in den wüsten Kofferinhalt zu bringen, gibt ihr den Rest und ihm die Gelegenheit, seine Vision von der optimalen Ordnung des Lebens künftig ganz ungestört umzusetzen. Jens Sparschuh erzählt von einem obsessiven Charakter und einem kollektiven Phänomen mit hohem Wiedererkennungseffekt: der Beschäftigung mit Strategien, das Leben und die Dinge effizient zu ordnen. Bei »Noah« ist sein Held an der richtigen Adresse. Die unausgelastete Firma für Neue Optimierte Auslagerungs- und Haushaltsordnungssysteme hat ihn mit großen Hoffnungen eingestellt, aber seine Ideen zur Ankurbelung des Geschäfts nehmen immer groteskere und komischere Züge an. Rückblenden in Felix Kindheit und seine beruflichen Anfänge liefern Einblicke in die subtilen Mechanismen, die diese komplexe Psyche formten. Und das Vorhaben, den Firmensitz von der städtischen Peripherie ins Zentrum zu verlegen und dafür endlich den Neubau des Berliner Stadtschlosses zu stoppen, entwickelt eine unheimliche Sogwirkung.

Jens Sparschuh, 1955 in Chemnitz geboren, ist Schriftsteller und promovierter Philosoph. Er veröffentlichte eine Vielzahl von Hörspielen und sieben Kinderbücher.

Eintritt: 3,-/2,- EUR. Reservierung unter Tel. 0341/9954 134. Veranstaltung des Literaturhauses Leipzig und des Verlages Kiepenheuer & Witsch
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