Ein mysteriser Meister: Der Romancier Philip Roth
Nicole Haase liest Texte des Autors, Stefan Welz spricht ber dessen Leben und Werk.

Seit Jahren ist Philip Roth, geboren 1933, ein Dauerkandidat fr den Literatur-Nobelpreis und geht dennoch immer wieder leer aus. Dabei kann der Romanautor und einstige Universittsprofessor auf mehr als ein halbes Jahrhundert literarischen Schaffens mit spektakulren Erfolgen zurckblicken. Roth verffentlicht seit den 1950er Jahren, zuerst Kurzgeschichten. Seine Charaktere, wie das Alter Ego Nathan Zuckerman, sind im jdisch-amerikanischen Mittelklasse-Milieu angesiedelt. Das Schreiben und lngere Aufenthalte in Italien, Israel und Osteuropa halfen Roth der eigenen Identitt nachzuspren. Sptestens seit seinem skandalumwitterten Roman Portnoys Beschwerden polarisiert der Autor die Literaturkritik sowohl mit seiner jdischen Thematik als auch mit der schockierenden Freizgigkeit seiner Darstellung. Im Herbst 2012 gab Roth seinen Entschluss bekannt, sich vom Schreiben zurckziehen zu wollen, wodurch er einmal mehr viel Aufmerksamkeit auf sich zog.

Eintritt: 3,-/2,-EUR. Veranstaltung des Schsischen bersetzervereins Die Fhre e.V.
Mit Stefan Lampadius, Elmar Schenkel, Reiner Tetzner, Maren Uhlig

Erleben wir das Ende der Utopien oder werden sie aktueller denn je? Mit seinem Buch ber die erdachte Insel Utopia hat Thomas Morus (1478-1535) einen Klassiker der politischen Philosophie geschaffen. Dessen Erscheinen liegt 500 Jahre zurck. Der Arbeitskreis nimmt das Jubilum zum Anlass, um ber vergangene und gegenwrtige Utopievorstellungen zu sprechen.

Eintritt: 3,-/2,-EUR. Veranstaltung des Arbeitskreises fr Vergleichende Mythologie e.V.
Nora Bossong liest aus 36,9.
Die Autorin im Gesprch mit Claudia Kramatschek und Ulrich Brieler (angefragt)

Wir mssen dieses Gehirn fr die nchsten 20 Jahre daran hindern zu denken. Mit diesen Worten besiegelte Italiens Diktator Benito Mussolini das Schicksal des italienischen Philosophen und kommunistischen Parlamentsabgeordneten Antonio Gramsci. Er wurde trotz Immunitt jahrelang inhaftiert. Kurz nach seiner Entlassung starb er an den Folgen der Haft. Die europische Linke entdeckte Gramsci in den 70er-Jahren als wichtigen Theoretiker. Einen ganz anderen, einen privaten Gramsci prsentiert uns jetzt Nora Bossong in ihrem neuen Roman 36,9 . (NDR Kultur) Die Autorin erzhlt mit feinem Sinn fr das Absurde vom Konflikt zwischen den groen Gefhlen fr einen Menschen und dem Kampf fr eine groe Sache, indem sie fragt: Kann man ein ganzes Land retten und gleichzeitig hoffnungslos verliebt sein? Ihr Held Anton Stver ist als Wissenschaftler in der Sackgasse und will in Rom ber Antonio Gramsci forschen. Dort begegnet er einer jungen Frau, in die er sich obsessiv verliebt. Whrenddessen beschftigt er sich weiter mit der Vergangenheit: Der gebrechliche, fieberkranke Gramsci erholt sich in einem sowjetischen Sanatorium. Er soll Italien vor der Machtbernahme durch Mussolini bewahren, doch stattdessen verliebt er sich in eine russische Genossin.

Nora Bossong, 1982 in Bremen geboren, studierte in Berlin, Leipzig und Rom Philosophie und Komparatistik. Zuletzt erschienen u.a. der Gedichtband Sommer vor den Mauern (2011), der Roman Gesellschaft mit beschrnkter Haftung (2012) und die Reportage Schnelle Nummer (2014). Sie wurde mit dem Peter-Huchel-Preis und dem Kunstpreis Berlin ausgezeichnet.

Eintritt: 4,-/3,-EUR. Veranstaltung des Literaturhaues Leipzig und des Carl Hanser Verlages
Sherlock Holmes und andere skurrile Gerichts- und Kriminalflle
Lesung und Gesprch mit Wolfgang Schler

Wolfgang Schler stellt seine beiden Sherlock-Holmes-Romane Sherlock Holmes in Leipzig und Sherlock Holmes in Berlin vor und berichtet von seiner aktiven Zeit als Gerichtsreporter. Dabei wird er sowohl ber skurrile als auch merkwrdige Gerichts- und Kriminalflle plaudern.
Schler, 1952 in Mhlhausen/Thringen geboren, istSchriftsteller, Rechtsanwalt und Journalist. Er studierte Rechtswissenschaft in Leipzig und arbeitete mehrere Jahre lang als Gerichtsreporter bei der Berliner Zeitung. Seit 1984 ist er freiberuflich ttig, seit 1990 auch als Rechtsanwalt niedergelassen. 1987 erschien sein erstes Buch Verbrecher im Netz. Schler verffentlichte weit ber 1.000 literarische Gerichtsberichte in diversen Zeitungen und Zeitschriften.

Eintritt: 2,- EUR. Veranstaltung des Freundeskreises Science Fiction Leipzig e.V.
Zur Ausstellung Manchmal Flickwerk in der en passant Galerie, 1 Etage

Fragmente und Fotos von Unbekannten sind Ausgangspunkt fr die Flickwerke der Knstlerin: neue, erahnte oder imaginre Kontexte werden auf Stoff und Papier mittels Druck- und Textiltechniken erschaffen, ergnzt und zusammengefgt. Die Oberflchen und Verbindungen sprechen die Sprache der Haptik. Flickwerk ist Rettung, Erneuerung, Ergnzung und Schichtung, manchmal passend oder auch uerst kontrastreich. Haltbar oder brchig. Ganz wie im Leben.

Veranstaltung der GEDOK Gruppe Leipzig/Sachsen e.V.
Hannah Arendt und die Pflicht zum Ungehorsam (ARTE/WDR 2015, 90 Minuten)

Dokumentation von Ada Ushpiz. Einfhrung: Bert Sander

Hannah Arendt (1906 - 1975) ist eine der einflussreichsten politischen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Doch was sagt ihr Werk jungen Menschen von heute? Einer Generation, die sich jenseits nationaler oder kontinentaler Beschrnkungen bewegt, und die Partei ergreift fr ein Denken ohne Gelnder (Hannah Arendt) der Systeme, Ideologien und Wunschvorstellungen? Ob im Arabischen Frhling, beim Protest gegen politische Repressionen in der Ukraine, dem Engagement der Occupy-Bewegung oder beim Publikmachen staatlich sanktionierten Ausspionierens ganzer Vlker: In jngster Zeit hat Arendts Werk eine neue Aktualitt erhalten. Der Film zeichnet das Leben und Werk Hannah Arendts nach: Geboren 1906 in Hannover, studierte sie bei den Philosophen Karl Jaspers und Martin Heidegger, mit dem sie eine Liebesbeziehung hatte. 1933 flchtete sie aus Nazi-Deutschland und emigrierte in die USA, wo sie sich der zionistischen Bewegung und der Erforschung und Deutung des Totalitarismus widmete. Vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Massenbewegung und dem totalitren Bewusstsein ging es ihr stets darum, den Menschen vor seiner Degradierung zum Konsumenten, Automaten und reinen Brokraten zu bewahren. Arendts politisches Denken blieb dabei stets der Aktualitt verbunden. Und so schlgt der Film von Ada Ushpitz immer wieder Brcken zu gegenwrtigen Entwicklungen und Brennpunkten in der ganzen Welt und thematisiert die Relevanz Hannah Arendts fr politisches Handeln unserer Tage.

Bert Sander studierte Philosophie in Leipzig, arbeitete als Lektor im Reclam Verlag. Er unterrichtet an der Kunsthochschule Halle Burg-Giebichenstein und ist verantwortlicher Redakteur der Leipziger Bltter.

Veranstaltung des Literaturhauses Leipzig und ARTE - Kulturpartner des literaturhaus.net
Ausstrahlung auf ARTE: Mittwoch, 9. Mrz 2016, 21.45 Uhr
Thomas Thieme liest aus dem Revolutionstagebuch 1919.
Moderation: Jens Bisky

Victor Klemperer (1881 - 1960) hat sein Leben lang Tagebuch gefhrt. 1995 wurden unter dem TitelIch will Zeugnis ablegen bis zum Letzten seine Aufzeichnungen aus den Jahren 1933 bis 1945 postum verffentlicht und machten ihn zu einem der wichtigen Chronisten deutscher Geschichte. Aus dem Nachlass, der in der Schsischen Landes- und Universittsbibliothek Dresden verwahrt wird, ist sein bislang unverffentlichtes Revolutionstagebuch 1919 nun im Aufbau Verlag erschienen. Diese Zeitberichte verfasste Victor Klemperer, der sich damals in Mnchen aufhielt, fr die Leipziger Neueste Nachrichten. Er zeichnet Portrts von den Akteuren der Stunde, darunter Erich Mhsam, Max Levien und Kurt Eisner, und liefert eine scharfsinnige Analyse der Ereignisse. Vertieft werden diese Betrachtungen durch Passagen aus seinen Erinnerungen: Angesichts des Nazi-Terrors schaut er auf das Schicksalsjahr 1919 zurck, als er die Bedrohung durch einen sich zuspitzenden Antisemitismus bereits wahrnahm. Diese doppelte Ebene macht den besonderen Reiz des Revolutionstagebuchs aus. (Deutschlandradio Kultur)

Thomas Thieme in Weimar geboren, besuchte die Staatliche Schauspielschule in Ost-Berlin. Anschlieend folgten Engagements in Magdeburg, Halle, Frankfurt, Berlin und am Burgtheater in Wien. Er spielte in Kinofilmen wie Der Untergang, Das Leben der Anderen u.a.

Jens Bisky, 1966 in Leipzig geboren, arbeitet fr die Sddeutsche Zeitung. Zuletzt verffentlichte er Unser Knig, ein Lesebuch ber Friedrich den Groen und seine Zeit.

Eintritt: 4,-/3,-EUR. Reservierungen unter Tel. 0341/9954134. Veranstaltung des Literaturhauses Leipzig und des Aufbau Verlages
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