Haus des Buches
Literaturhaus Leipzig

Ausstellungen
© Foto: Rolf Schrade
Ausstellung
12. September bis 30. Oktober 2018 / Foyer
»Die Chewsuren«
Fotografien von Rolf Schrade
Der Name »Chewsureti« (Chewsuretien) bedeutet übersetzt »Land der Schluchten«. Als Rolf Schrade diese georgische Bergregion im Zentralkaukasus 1960 besuchte, hatte er die Gelegenheit, dort ein Bergvolk kennenzulernen, dessen uralte Sitten sich bis in die Neuzeit erhalten hatten. Kurze Zeit später mussten die Chewsuren im Rahmen einer sowjetischen Zwangsmaßnahme ihre angestammten Bergfestungen verlassen und wurden in georgische Dörfer umgesiedelt. In den Fotografien Schrades ist ihre Kultur erhalten geblieben.

Die Ausstellung zeigt die womöglich einzigen Farbaufnahmen, die vom Alltagsleben der Chewsuren existieren. Das Volk war bekannt für seine Fechtkunst und seine farbenfrohen Gewänder sowie die zahlreichen Rituale und Bräuche, die das Zusammenleben in dieser kleinen Gemeinschaft bestimmten. Das Gebiet war schwer zugänglich; am Ausbau der Infrastruktur hatten die Sowjets kein Interesse, da die Chewsuren seit der Annexion Georgiens 1921 dem kommunistischen Regime skeptisch gegenübergestanden hatten. So gab es auch weder Grundschulen noch Krankenhäuser - die Kinder mussten in das über 60 km entfernte Barisacho zur Schule gehen und dort im Internat wohnen. Kranke konnten nur mit großer Mühe, wenn der Pass passierbar war, nach Barisacho ins Krankenhaus gebracht werden. Sehr wenige Familien kehrten ab den 1970er Jahren wieder zurück. In den 1980er Jahren wurde unter Eduard Schewardnadse versucht, einige Dörfer unter dem Motto »Der Bergmensch kehrt in die Berge zurück« wieder zu beleben. Doch während Mitte des 19. Jahrhunderts fast 6000 Menschen Chewsuretien bevölkerten, zählt die Region heute nur noch ca. 200 Einwohner.

Rolf Schrade ist Kunsthistoriker, Dokumentarfilmregisseur und Kunstfotograf. Er studierte an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg und am Moskauer Filminstitut WGIK. Bis 1987 wirkte eran ca. 40 Fernseh- und Dokumentarfilmen der DEFA mit. Publikationen zum russischen Ballett sowie zur russischen und georgischen Kunst. 1971 Promotion am WGIK über den Sehprozess im Kino. Seit 1991 ist Rolf Schrade Vorsitzender der Berliner Georgischen Gesellschaft e.V., seit 1995 Honorarprofessor für Kunstgeschichte an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Staatlichen Medizinischen Universität Tbilissi. Von 1996 bis 2008 leitete er ein Projekt der Horizon Foundation, Den Haag, zur Restaurierung von Kirchen, Wandmalereien und Ikonen in Swanetien, einer Bergregion im Norden Georgiens. Von 2011 bis 2013 lehrte er an der Freien Universität Berlin.

Ausstellung des Literaturhauses Leipzig


Öffnungszeiten:
Geöffnet Mo–Do von 9.00–17.00 Uhr, Fr von 9.00–15.00 Uhr und zu den Veranstaltungen


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