Haus des Buches
Literaturhaus Leipzig

Geschichte
Ausgehend von dem Gedanken, dass Buchförderung in Leipzig einer Stätte bedurfte, die Buchmacher, -leser, -liebhaber und -forscher zusammenbrachte, wurde im Frühjahr 1990 ein Konzept „Haus des Buches“ erstellt, das beim Kulturministerium der DDR Anerkennung fand. Um Wolfgang Tittel entstand eine Initiativgruppe führender Vertreter der Buchstadt Leipzig, aus der im April 1990 das Kuratorium Haus des Buches e.V. gebildet wurde. Vom Ministerium mit einem Vermögen ausgestattet, prüfte der Verein in den ersten Wochen und Monaten die möglichen Funktionen des angedachten Hauses und suchte nach einem geeigneten Standort. Bald rückte das Grundstück Gerichtsweg 28/ Prager Straße ins Blickfeld. Hier stand einst bis zu seiner fast völligen Zerstörung im Dezember 1943 das prächtige Buchhändlerhaus des Börsenvereins. In einem erhaltenen, aber desolaten Seitenflügel des ehemaligen Gebäudes waren der Leipziger Börsenverein und einige Verlagsbüros untergebracht.

Der Kontakt zum Frankfurter Börsenverein war bald hergestellt. Angesprochen auf das historische Grundstück am Gerichtsweg wurden Befindlichkeiten jener Mitglieder des Börsenvereins geweckt, die Leipzig noch als Mutterstadt und Zentrum des deutschen Buchhandels kennen gelernt hatten und nach wie vor hoch verehrten.

Nach intensiven Verhandlungen unterzeichneten der Börsenverein und das Kuratorium Haus des Buches e. V. am 9. November 1993 einen Rahmenvertrag, der eine solide Grundlage für den Bau des „Hauses des Buches“ bildete. Es wurde von einer Gebäudegesellschaft errichtet, die zu 90% der Buchmesse Frankfurt (einer Tochtergesellschaft des Börsenvereins) und zu 10% dem Börsenverein selbst gehört. Die Bau-Investition betrug schätzungsweise 42 Mio. DM. Das Kuratorium beteiligte sich aus rechtlichen Gründen nicht selbst am Bau, sondern leistete eine Mietvorauszahlung auf 20 Jahre hinaus im Wert von acht Millionen DM.

Das Haus des Buches wurde am 20. März 1996 eröffnet und bietet großzügigen Platz für Veranstaltungsräume, ein Ausstellungsfoyer, zahlreiche Büros und für ein Lesecafé. Auf welche Erfolge kann das Kuratorium Haus des Buches e.V. seither verweisen? Als gemeinnütziger Verein organisiert es in erster Linie eigene Veranstaltungen, kooperiert zu diesem Zweck aber auch mit weiteren im Gebäude ansässigen Kulturvereinen. Seit seiner Gründung stellte das Kuratorium rund 4,5 Millionen Euro für die Förderung der Buch- und Lesekultur in Leipzig zur Verfügung.

Das Literaturhaus hat sich im Bewusstsein der Leipziger wie auch auswärtiger Gäste als Veranstaltungsort etabliert, über 10.000 Besucher kommen jährlich hierher. Mehr als 260.000. Gäste sind es seit der Eröffnung 1996. Es ist inzwischen einer von ganz wenigen Orten, wo man nicht nur zur Buchmesse, sondern das gesamte Jahr über Autoren treffen, mit ihnen diskutieren und neue Bücher für sich entdecken kann – ein Leuchtturm sozusagen im Leipziger Kulturgeschehen.

Bemerkenswert ist, dass Debütanten, jungen Schreibenden und Autoren aus der Region ein ebensolches Podium geboten wird wie namhaften Vertretern der Schreiberzunft, die sich, wie jüngst Christoph Hein, Ljudmila Ulitzjaja, Jonathan Franzen oder die beiden Nobelpreisträger Swetlana Alexijewitsch und J. M. Coetzee, als besondere Publikumsmagneten erwiesen.

Seit 2005 ist das Kuratorium Haus des Buches e. V. auch Mitglied im prominenten Verbund der Literaturhäuser Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Ziel dieses Netzwerkes ist es, gemeinsame Projekte zu planen und zu koordinieren, deren Finanzvolumen die Möglichkeiten eines einzelnen Hauses übersteigen würde. Eine offizielle Umbenennung in „Literaturhaus Leipzig“, wie durch den Verbund gefordert, fand allerdings aufgrund der besonderen Konstellation rund um das Kuratorium Haus des Buches e. V. nicht statt. Leipzig nimmt in diesem Reigen halt einen besonderen Platz ein, aufgrund seiner Größe und seiner besonderen und einzigartigen Geschichte.

Gründungsmitglieder des Kuratoriums Haus des Buches e. V. im April 1990 waren:

Helmut Bähring, Direktor der Verlagsunion Bibliographisches Institut – Verlag Enzyklopädie Leipzig
Prof. Dr. Albert Kapr, em. Hochschullehrer, Buchkünstler und Autor
Dr. h.c. Gerhard Keil, Vorsitzender des Philipp-Erasmus-Reich-Klubs Leipzig
Prof. Dr. Dieter Nadolski, Direktor des Verlages Edition Leipzig
Prof. Helmut Richter, Direktor des Instituts für Literatur „Johannes R. Becher“
Prof. Dr. Helmut Rötzsch, Direktor der Deutschen Bücherei, Leipzig
Prof. Dr. Bernd Rüdiger, Direktor der Universitätsbiliothek Leipzig
Dr. Wolfgang Tittel, Ratsmitglied für Kultur, Rat des Bezirkes Leipzig


Organe

Die Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung und ein ehrenamtlicher Vorstand.

Vorstandsvorsitzender
Herr Dr. Wolfgang Tittel

Vorstände
Herr Dr. Jürgen Krätzer
Herr Maximilian Schürmann
Herr Alexander Skipis
Herr Prof. Thedel von Wallmoden

Partner und Förderer
Arte – Medienpartner des Literaturhauses
Börsenverein des deutschen Buchhandels
BRC Vermögensbetreuung
Käthe Knauer
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Robert Bosch Stiftung
Goethe-Institut
Weberbank
Kulturamt der Stadt Leipzig
Seaside Parkhotel


© 2016 / Literaturhaus Leipzig / Impressum
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig, kontakt@literaturhaus-leipzig.de, Tel. +49 .341. 99 54 134